35.3.2 Fiskalpolitik

Fiskalpolitische Maßnahmen, also Änderungen von Steuern oder Staatsausgaben, lassen sich in zwei Kategorien einteilen: restriktive und expansive Fiskalpolitik. Unter restriktiver Fiskalpolitik versteht man Maßnahmen, die das staatliche Defizit reduzieren, also eine Senkung der Staatsausgaben oder eine Erhöhung der Steuern. Die Fiskalpolitik ist dann restriktiv, weil sie die Ökononmie bremst, durch weniger Implulse die der Staat gibt und weniger verfübares Einkommen, mit dem die Bürger die Wirtschaft ankurbeln können. Umgekehrt stellen expansive fiskalpolitische Maßnahmen einen positiven Schock für die Wirtschaft dar, da geringere Steuern und höhere Staatsausgaben direkt und indirekt die Wirtschaft anregen. Mit Hilfe des Schiebereglers kann man in der Graphik sowohl expansive wie auch restriktive fiskalpolitische Maßnahmen einstellen.

Im Falle restriktiver Fiskalpolitik drehen sich im Vergleich zur expansiven Fiskalpolitik die Vorzeichen um: Ab- wird zu Aufwertung, Wachstum zur Rezession, steigende zu fallenden Zinsen. Im folgenden beschreiben wir deshalb lediglich die Zusammenhänge bei expansiven fiskalpolitischen Maßnahmen.

Expansive Fiskalpolitik

Werden die Staatsausgaben von G0 auf G1 erhöht, Schieberegler nach rechts, so verschiebt sich die IS-Kurve nach rechts. Das neue ISLM Gleichgewicht GGZ mit höheren Zinsen und höherem BIP (y0 steigt auf yZ und r0 auf rZ) stellt sich auf dem heimischen Gütermarkt ein. Das gestiegene Einkommen führt allerdings zu steigenden Importen und somit einer negativen Leistungsbilanz (fiktiver Punkt B im 3. Quadranten). Dadurch verschiebt sich die FF-Kurve nach oben und es ergibt sich ein Ungleichgewicht am Devisenmarkt: Beim alten Wechselkurs S0 müssten die Zinsen auf bis zum Punkt A im 4. Quadranten ansteigen, um das Leistungsbilanzdefizit auszugleichen. Tatsächlich sind sie ja aber aufgrund der expansiven Fiskalpolitik sogar bis auf rZ (Punkt C) gestiegen. Leistungs- und Kapitalbilanz entwickeln sich zwar gleichgerichtet, jedoch verbleibt eine Zinslücke zwischen Punkt A und Punkt C, die eine positive Zahlungsbilanz repräsentiert (K(rZ) > B(yZ,S0)). Dieses Ungleichgewicht wird auch dadurch ersichtlich, dass in dieser Situation die BP(S0) Linie nicht durch das heimische Gütermarktgleichgewicht verläuft.

Primäre Wechselkurseffekte

Das Ungleichgewicht am Devisenmarkt wird durch eine Marktreaktion ausgeglichen: Der Wechselkurs der heimischen Währung wertet ab: Er fällt von S0 auf S1. Diese primäre Reaktion des Wechselkurses ist auf reine Devisenmarktreaktionen zurückzuführen. Punkt GGZ im vierten Quadranten liegt auf der FF-Kurve zu yZ. Aufgrund des Ungleichgewichts am Devisenmarkt (siehe Begründung der Zinslücke AC) muss der Wechselkurs abwerten, um dieses auszugleichen. Zwar sorgte das Leistungsbilanzdefizit für ein vermehrtes Angebot an heimischer Währung, jedoch war die Attraktivität der Währung als Anlage aufgrund der höheren Zinsen noch stärker gestiegen.

Sekundäre Wechselkurseffekte

Diese Aufwertung führt dazu, dass die heimischen Exporte fallen und die Importe steigen, und sich die IS Kurve wieder etwas zurück verschiebt (IS(G1,S1)). Mithin sinkt das BIP wieder etwas auf y1 und die Zinsen moderat auf r1. Dieser sekundäre Impuls ist allerdings deutlich schwächer als der primäre Schock. Die BP-Kurve wird mit fallendem Wechselkurs aufgrund des negative Leistungsbilanzeffektes nach leicht links verschoben und geht nun durch das neue endgültige Gleichgewicht GG1. Der Rückgang des BIP führt zudem zu einer moderaten Verschiebung der FF Kurve nach unten, so dass sich auch auf dem Devisenmarkt ein Gleichgewicht GG1 bei r1 und S1 einstellt. Die Leistungsbilanz ist deutlich negativ, da im Gesamteffekt sowohl der Anstieg des BIP wie auch die Aufwertung negativ auf die Leistungsbilanz wirken.

Fazit:

Die expansive Fiskalpolitik bewirkt eine Aufwertung der Währung, welche über eine Steigerung der Importe den Wachstumsimpuls dämpft und den Zinsimpuls abschwächt. Ein Teil der Staatsnachfrage wird also durch das Ausland befriedigt und kann nicht wachstumsfördernd wirken.


(c) by Christian Bauer
Prof. Dr. Christian Bauer
Lehrstuhl für monetäre Ökonomik
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