6.1.1 Steuererhebung

Steuern sind unfreiwillige öffentliche Abgaben, die durch den Staat von natürlichen oder juristischen Personen ohne Gewähr einer Gegenleistung erhoben werden.1 Sie werden erhoben, damit der Staat Einkünfte für öffentliche Güter wie z. B. den Straßenbau erzielt. Eine Steuer kann sowohl beim Konsumenten als auch beim Produzenten eines Gutes erhoben werden.2 Eine Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist, wer wirtschaftlich die Steuerlast trägt (Steuerinzidenz). Wie sich zeigen wird, hängt die Verteilung der ökonomischen Steuerlast nicht davon ab, wer die Steuer abführt.
In dieser Graphik kann sowohl die Abführung der Besteuerung durch die Konsumenten bzw. Käufer analysiert werden (netto Betrachtung) wie auch die Abführung der Besteuerung durch die Produzenten bzw. Verkäufer (brutto Betrachtung).
Im unregulierten Markt stellt sich ein Preis in Höhe von PohneSteuern (Preis ohne Steuern) ein, während die umgesetzte Menge MohneSteuern beträgt. Wird nun den Käufern dieses Gutes eine Steuer auferlegt, so kann dies durch eine Verschiebung (Stücksteuer) bzw. Drehung (%-Steuer, z.B. Umsatzsteuer) der Angebots- bzw. Nachfragekurve um den Betrag der Steuer nach unten dargestellt werden. Die neue Nachfragekurve wird als effektive Nachfrage bezeichnet, da sie den Nettozahlungsbereitschaft (=tatsächliche Zahlungsbereitschaft - abzuführende Steuer) der Konsumenten wiedergibt. Für die Angebotskurve gilt analoges.
In der obigen Graphik kann die Höhe des gewählten Steuersatzes am Regler unten eingestellt werden. Es kommt entsprechend zu einer stärkeren oder schwächeren Drehung der Kurven.
Es stellt sich ein neues Marktgleichgewicht beim Schnittpunkt der effektive Nachfragekurve und der Angebotskurve ein. Dieses Gleichgewicht ist durch drei Eigenschaften gekennzeichnet.
1.) Die umgesetzte Menge MSt ist umso kleiner, je höher die Steuer ist.
2.) Für die Konsumenten gilt der teurere Preis Pbrutto (Preis den sie an die Produzenten zahlen plus die Steuer). Die Produzenten erzielen nur noch den geringeren Preis Pnetto .
3.) Die Differenz dieser beiden Preise entspricht der Höhe der Steuer und wird an den Staat abgeführt.
Nicht nur die Konsumenten leiden unter dem gestiegenen Preis Pbrutto , der durch die Steuer entstanden ist, sondern auch Produzenten, die einen geringeren Preis Pnetto erzielen. Es ist festzuhalten, dass sich Produzent und Konsument die Steuerlast teilen, da die Käufer zwar mit dem gestiegenen Preis den gesamten Betrag entrichten, aber im Gegenzug auch die Verkäufer nur einen geringeren Preis erzielen.
In diesem Beispiel wird eine Wertsteuer dargestellt. Die wichtigste Wertsteuer ist die Umsatzsteuer. Die abzuführende Steuer bemisst sich nach dem Wert des Umsatzes, d.h. je teurer das Gut ist, desto höher ist die Steuer. Für einen konstanten Steuersatz nimmt die Differenz zwischen Brutto- und Nettopreis mit steigendem Preis zu. Die Angebots- bzw. Nachfragekurve wird durch die Steuer gekippt. Im Gegensatz dazu würde die Kurve bei einer Mengensteuer, d.h. für jede Einheit des umgesetzten Gutes ist ein fixer Betrag als Steuer abzuführen, parallel verschoben. Dies ist beispielsweise bei der Mineralöl-, Zigaretten- und Alcopopsbesteuerung der Fall. Die Auswirkungen auf den Markt stimmen bei beiden Steuerarten im Wesentlichen überein.

1Vgl. Meyers Lexikonredaktion, 1992, S. 353f.; o.V., 1990, S. 775; Rittershofer, 1997, S. 513.

2Beispielsweise wird die Umsatzsteuer beim Verkäufer erhoben, die Grunderwerbssteuer jedoch beim Käufer.


(c) by Christian Bauer
Prof. Dr. Christian Bauer
Lehrstuhl für monetäre Ökonomik
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