17.2 Die Verschiebung der IS-Kurve in einer geschlossenen Volkswirtschaft

Die Veränderung des Zinssatzes i wird durch eine Bewegung auf der IS-Kurve gekennzeichnet. Bei der Veränderung anderer in der IS-Gleichung enthaltener Variablen (T, G, I, C) verschiebt sich die IS-Kurve. Dieses Verhalten soll nun näher beschrieben werden.
Im Ausgangspunkt, bei gegebenen Steuern, Staatsausgaben, autonomen Konsum und autonomen Investitionen, stellt die IS-Kurve das Gleichgewichteinkommen als eine Funktion des Zinssatzes dar. Eine Veränderung des Zinses kann durch ziehen des Punktes i realisiert werden. Man sieht dass sich das Produktionsniveau Y entsprechend der Zinsänderung anpasst.
Als Beispiel für Verschiebungen der IS-Kurve soll hier näher auf die Veränderung der Steuern oder der Staatsausgaben eingegangen werden. Zunächst sollen beide Effekte getrennt voneinander betrachtet werden, später als Steuer- und Staatsausgabeneffekt zusammen.
Erhöht man die Steuern T, nimmt bei gegebenem Zinssatz das verfügbare Einkommen ab, was zu einem Rückgang des Konsums führt. Der Rückgang des Konsums induziert einen Rückgang der Güternachfrage und damit einen Rückgang des Gleichgewichtseinkommens, welches von Y0 auf Y sinkt. Die IS-Kurve verschiebt sich nach links und für jeden Zinssatz ist das entsprechende Gleichgewichtseinkommen Y nun niedriger als vor der Steuererhöhung.
Alle Faktoren, die bei gegebenem Zinssatz zu einem Rückgang des Gleichgewichtseinkommens fü hren, verschieben die IS-Kurve nach links. üwie bei einer Steuererhö hung käme es bei einem Rückgang der Staatsausgaben, dem Rückgang des autonomen Konsums oder der autonomen Investitionen zu einer Verschiebung der IS-Kurve nach links.
Umgekehrt gilt, dass alle Faktoren, die bei gegebenem Zinssatz das Gleichgewichtseinkommen steigen lassen, die IS-Kurve nach rechts verschieben. Beispiele hierfür sind eine Steuersenkung, eine Erhöhung der Staatsausgaben, eine Steigerung des autonomen Konsums oder auch der autonomen Investitionen.
Durch eine Erhöhung der Staatsausgaben steigt bei gegebenem Zinssatz die Güternachfrage an. Das Gleichgewichtseinkommen steigt von Y0 auf Y .
In unserem Modell sind die Effekte additiv gestaltet, so dass sich die gleichzeitige Änderung von Steuersatz und Staatsausgaben einfach analysieren lässt. Wie oben schon nöher erläutert, bringt eine Steuererhöhung einen Rückgang des verfügbaren Einkommens. Dadurch kommt es zu einem Rückgang des Konsums und somit zu einem Rückgang der Güternachfrage. Die IS-Kurve verschiebt sich folglich nach links. Bei einer Staatsausgabenerhöhung dagegen steigt die Güternachfrage und die IS-Kurve verschiebt sich nach rechts - beide Effekte sind also gegenläufig. Betrachtet man nun den Steuer- und Staatsausgabeneffekt zusammen, so heben sich die Steuererhöhung und die Staatsausgabenerhöhung nahezu auf und das neue Gleichgewichteinkommen Y befindet sich nahe dem ursprünglichen Gleichgewichteinkommen. Die durch den kombinierten Steuer- und Staatsausgabeneffekt entstehende Kurve IS befindet sich nahe der ursprünglichen IS-Kurve. Im Grenzfall können sich die beiden Effekte sogar vollständig aufheben. Ist der Anstieg (Rückgang) der Staatsausgaben genauso groß wie der Anstieg (Rückgang) der Steuern, so ist das neue Gleichgewichtseinkommen Y gleich dem ursprünglichen Einkommen Y0 und die neue IS-Kurve ist gleich der ursprünglichen IS-Kurve.

Bei gleichgerichteten Politikmaßnahmen addieren sich die Effekte. Als Beispiel soll der Effekt einer Steuererhöhung mit einer gleichzeitigen Staatsausgabensenkung betrachtet werden. Durch die Steuererhöhung sinkt, wie oben beschrieben, die Güternachfrage und die IS-Kurve verschiebt sich nach links. Durch die Staatsausgabensenkung sinkt die Güternachfrage und die IS-Kurve verschiebt sich ebenfalls nach links. Betrachtet man den Steuer- und Staatsausgabeneffekt zusammen, so verschiebt sich die IS-Kurve noch weiter nach links als bei der Betrachtung eines jeden einzelnen Effektes, da die Effekte nun aufsummiert werden. Das neue Gleichgewichtseinkommen liegt bei Y beim gegebenen Zinssatz i und ist deutlich niedriger als Y0.


(c) by Christian Bauer
Prof. Dr. Christian Bauer
Lehrstuhl für monetäre Ökonomik
Universität Trier
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