8.3 Indifferenzkurve


Auf den letzten beiden Seiten wurde deutlich, welche Güterkombinationen sich der Konsument leisten kann. Für welche dieser Kombinationen sich der Konsument schlussendlich entscheidet, hängt aber nicht nur von seinen finanziellen Möglichkeiten, sondern auch von seinen Präferenzen ab. Stellt man ihm beispielsweise 2 verschiedene erwerbbare Güterbündel zur Auswahl, entscheidet allein sein Geschmack welches er bevorzugt. Zieht er dagegen weder das eine noch das andere Güterbündel vor, so sagen wir der Konsument sei indifferent zwischen diesen beiden. Nehmen wir an, die Güterbündel A und B seien für den Konsumenten völlig gleichwertig. Nun stellen wir ihm ein weiteres Bündel C zur Auswahl und diesem stehe er genauso indifferent gegenüber wie A und B, es ist ihm also gleichgültig welches dieser 3 Güterbündel er erhält (natürlich gibt es noch viele weitere Kombinationen die den Haushalt gleichermaßen zufrieden stellen wie A, B und C). Tragen wir all diese Punkte in das obige Koordinatensystem ein, hier eben exemplarisch nur A, B und C, so liegen diese auf einer gemeinsamen Kurve, der so genannten Indifferenzkurve, hier auf I1.
Eine Indifferenzkurve ist also der Ort aller Güterkombinationen die dem Haushalt denselben Nutzen stiften. Betrachtet man nun beispielsweise Punkt B und C, so erkennt man, dass im Punkt C mehr Gut1 konsumiert wird als in B. Da wir aber davon ausgegangen sind, dass der Haushalt mit beiden Kombinationen gleich glücklich ist, muss in Punkt B wiederum mehr Gut2 konsumiert werden. Bewegt man den Punkt A von B hin zu C erkennt man dies noch einmal: weniger Konsum von Gut1 wird ausgeglichen durch zusätzlichen Konsum von Gut2. Mathematisch ausgedrückt bedeutet dies, dass die Steigung der Indifferenzkurve negativ ist: ein Mehr in Richtung der einen Achse führt zu einem Weniger in Richtung der anderen Achse. Das Verhältnis, in dem so Gut1 gegen Gut2 getauscht wird, nennt man Grenzrate der Substitution (GRS). Diese ist auf einer Indifferenzkurve gewöhnlich nicht konstant, denn angenommen, man besäße bereits sehr viel Gut2, so ist man viel eher gewillt etwas davon gegen Gut1 zu tauschen. Wie großgenau diese Tauschbereitschaft in jedem Punkt ist, wird durch die Steigung der Indifferenzkurve angegeben.
Um dies zu veranschaulichen können wir in obiger Graphik die Grenzrate der Substitution einblenden. Ziehen wir nun den Punkt A etwa auf Höhe des Punktes B, so beträgt die GRS ungefähr 5. Dies bedeutet, dass der Konsument bereit ist 5 Einheiten Gut2 gegen eine Gut1 zu tauschen, ohne dass er sich dadurch schlechter gestellt fühlt. In der Nähe des Punktes C hingegen beträgt die GRS nur noch ca. 0,1, oder anders ausgedrückt: in diesem Punkt würde der Haushalt eine Einheit Gut2 nur noch gegen 10 Gut1 eintauschen. Dies erscheint so auch sinnvoll, denn besitzt man wie schon erwähnt mehr Gut2, ist man auch viel eher gewillt, mehr davon für eine Gut1 einzutauschen. Bewegen wir den Punkt A also von links nach rechts auf der Indifferenzkurve, so sehen wir dass die GRS, also die Steigung der Indifferenzkurve, stetig abnimmt. Kurven mit negativer und gleichzeitig im Betrag abnehmender Steigung nennt man konvex. Indifferenzkurven sind somit konvexe Kurven, eben genau aus der obigen Überlegung heraus, dass die Tauschbereitschaft - ausgedrückt durch die Steigung in den jeweiligen Punkten - abnimmt.
Wie verhält es sich aber mit Punkt D? Vergleichen wir A und D in der Ausgangsposition, so sieht man, dass im Punkt D mehr Gut1 und mehr Gut2 konsumiert wird, folglich zieht der Haushalt das Güterbündel D immer dem Bündel A vor. D liegt also auf einer Indifferenzkurve, auf der die dortigen Güterbündel dem Haushalt lieber sind als diejenigen auf I1. Bewegen wir D, so stellt dies alle diese gleichwertigen Güterkombinationen dar (analog verhält es sich mit Punkt A). Das Konsumniveau auf I2 ist also höher als auf I1, es werden mithin höher liegende Indifferenzkurven den niedriger liegenden Indifferenzkurven vorgezogen. Man kann sich dies vorstellen wie die Höhenlinien auf einer Landkarte: bewegt man sich entlang einer Höhenlinie steigt man weder auf noch ab, genauso verhält es sich mit einer Bewegung auf einer Indifferenzkurve: das Befriedigungsniveau des Konsumenten bleibt gleich. Bewegt man sich aber von einer Indifferenzkurve zu einer höher liegenden, so steigt das Konsumniveau und damit der Grad der Zufriedenheit. Wie auch in einer Landkarte sind in obiger Graphik nicht alle Höhenlinien eingetragen, man kann sich diese aber als Schar vorstellen.


(c) by Christian Bauer
Prof. Dr. Christian Bauer
Lehrstuhl für monetäre Ökonomik
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