Kapitel 32
Exogener Wirtschaftswachstumsschock

Was passiert im Monetären Modell, wenn die Ökonomie einen Wachstumsschub oder einen drastischen Wirtschaftseinbruch erlebt? Diese Fälle können bei Naturkatastrphen, großen Entwicklungssprüngen in der Technologie oder der Entdeckung großer Rohstoffvorkommen eintreten. Das Monetäre Modell liefert eine klare Antwort: Wenn das Inland stärker wächst als das Ausland, und die Geldpolitik dies nicht mit expansiven Maßnahmen begleitet, dann sinkt das Preisniveau und die Währung wertet auf (pro heimischer Währungseinheit kann man mehr Waren kaufen, also auch mehr ausländische Geld).

Um die Effekte der unterschiedlichen Impulse besser separieren zu können, analysieren wir den BIP Schock hier unter der ceteris paribus Annahme, d.h. abgesehen vom exogenen Wirtschaftswachstumsschock werden nur endogene Veränderungen der Variablen betrachtet. Insbesondere werden wir in der graphischen Analyse die Geldmenge konstant halten.

Mit Hilfe des Reglers kann in dieser Graphik der Wachstumsimpuls eingestellt werden. Entsprechendverschiebt sich die Gerade des langfristigen Produktionsniveaus Y langfristig. Wächst die Ökonomie, so sinkt das Preisniveau von P0 auf P1, weil einer konstanten Geldmenge mehr Güter gegenüber stehen. (Bei gleichbleibender Anzahl der Geldscheine gibt es mehr Güter, d.h. je Gut weniger Geldscheine und das bedeutet der Preis sinkt.) Im Fall einer Rezession tritt das Gegenteil ein und die Preise steigen.

Bei sinkendem Preisniveau würde die Ökonomie, falls der Wechselkurs konstant bleiben würde, einen Wettbewerbsvorteil erreichen (die inländischen Güter werden für das Ausland billiger) und die Nettoexporte deutlich steigern. Dadurch erhöht sich die Nachfrage nach heimischer Währung und diese wertet auf, bis wieder Kaufkraftparität herrscht. Da Devisenmärkte jedoch sehr schnell reagieren, passt sich der Wechselkurs an das neue Gleichgewicht an bevor die Güterarbitrage wirken kann.

Akkomodierende Geldpolitik

In der Realität würden weder die Notenbank noch die Regierung ein Sinken der Preise (Deflation) zulassen. Die Notenbank würde einfach die Geldmenge im Ausmaß des Wirtschaftswachstums erhöhen und so das Preisniveau konstant halten. Die Gewinne aus dem Drucken des neuen Geldes fließen als sogenannte Seignoragegewinne an die Regierung. Diese erfährt somit doppelte positive Effekte: die Wirtschaft wächst und sie erhält zusätzliche Milliarden an Steuern und Seignoragegewinnen.

Rezession und Akkomodierende Geldpolitik

Im Fall einer Rezession gilt natürlich das Gegenteil: Um eine Inflation zu verhindern, muss die Notenbank eine restriktive Geldpolitik durchführen, d.h. die Geldmenge reduzieren. Es entsteht ein doppelt negativer Effekt: neben der Rezession entfallen potentielle Senioragegewinne, da die Reduktion der Geldmenge die Gewinne der Notenbank verringert.


(c) by Christian Bauer
Prof. Dr. Christian Bauer
Lehrstuhl für monetäre Ökonomik
Universität Trier
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